Donnerstag, 9. Juni 2011

Interview der Woche 23 «Ein teurer Entscheid»

Herr Nationalrat Giezendanner, die grosse Kammer hat den politischen Weg für den Ausstieg aus der Atom-Energie frei gemacht. Was bedeutet dieser Beschluss?

Dieser Entscheid bedeutet, dass die Energiebeschaffung in eine Richtung gelenkt wird und niemand weiss, wohin der Weg führt. Der Entscheid wird enorme Kosten und viel Zeit für die Entwicklung der Grundlagen für eine Volksabstimmung auslösen. Damit halte ich auch fest, dass letztlich das Volk über den Ausstieg aus der Kernenergie entscheiden wird. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.

Glauben Sie nicht an den Ersatz durch erneuerbare Energie?

Was heisst hier glauben? Es steht fest, dass heute keine brauchbare Alternative auf dem Tisch liegt und ich bin mir sicher, dass der Entscheid mehr zur Positionierung der Parteien als zur Lösungsfindung beiträgt. Kommt dazu, dass es ein Affront ist, den AKW-Betreibern und Physikern in unserem Land und auf der Welt Unfähigkeit zu unterstellen. In den letzten Jahren wurden Milliarden von Franken in die Weiterentwicklung und in die Sicherheit der Kernenergie gesteckt. Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese Stromquelle nicht so einfach versiegen wird.

Aber die Menschen haben offensichtlich Angst und stellen die Sicherheit in Frage?

Fukushima war kein Erdbebenunfall sondern ein Tsunami-Ereignis und solche gibt es nun mal bei uns nicht. Sagen Sie mir ein Land, in welchem die Sicherheitsstandards für AKW-Betreiber höher sind als bei uns in der Schweiz. Wenn unsere Kraftwerke den europäischen Stresstest nicht bestehen, wer dann? Eines ist klar: Lieber eigenen Atomstrom produzieren, als diesen in Russland einkaufen. Mir wird dann die Selbstversorgung ein wichtiges Argument sein.

Sie haben in der Debatte auch immer wieder auf die Bedeutung des möglichst tiefen Strompreises insbesondere für Wirtschaft hingewiesen?

Natürlich! Wir kämpfen an allen Fronten gegen Preisexplosionen, suchen Wege um die Kosten in den Griff zu bekommen und beim Strom stellen wir fest, dass dieser durchaus teurer werden darf. Die ständig zunehmenden und höheren Gebühren und Abgaben gefährden unseren Wohlstand, die Konkurrenzfähigkeit und letztlich die Existenz. Sie sehen doch, wie es anderen europäischen Ländern geht.

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